Die Norwegische Waldkatze zählt zu den natürlich entstandenen Katzenrassen. Sie entwickelte sich schon vor vielen Jahrhunderten in Skandinavien, vor allem in Norwegen. In Norwegen lebten diese Katzen auf Bauernhöfen und verwilderten in den Wäldern. Man kann lesen, dass bereits im 5. Jahrhundert die Vorfahren dieser Katzenrasse als Schiffskatzen aus Mittel- und Osteuropa nach Skandinavien kamen. Ob damals bereits langhaarige oder halblanghaarige Katzen, wie die Perser oder die Angora, ihren Weg nach Skandinavien fanden, ober ob sich die langen Haare durch natürliche Selektion in den kalten Wäldern Norwegens entwickelt haben, ist nicht abschließend geklärt.

Bereits in der altnordischen Mythologie werden Katzen erwähnt. So ziehen z. B. Katzen den Himmelswagen der Fruchtbarkeitsgöttin Freya. Thor erhielt vom Herrscher von Utgard drei Aufgaben gestellt, deren letzte Aufgabe eine Katze von der Erde zu heben war. Die Katze hielt sich mit den Krallen an der Erde fest und machte einen Katzenbuckel und Thor gelang diese Aufgabe nicht. Der Wolf Fenrir sollte an die Kette gelegt werden. Das gelang aber erst, nachdem aus vielen verschiedenen Zutaten, unter anderem dem Geräusch einer sich bewegenden Troll (=Zauber) Katze, ein besonderes Band hergestellt wurde, das Fenrir nicht zerreißen konnte. Diese drei Beispiele aus der Mythologie zeigen, dass es schon seit sehr langer Zeit Katzen in Norwegen gab. Ob diese Katzen kurzes oder langes Fell hatten, ist nicht überliefert.

Weitere Aufzeichnungen folgten im 13. Jahrhundert in einem Erlass des Königs Magnus VI Haakonsson, wo festgehalten wurde, dass das Fell der Norwegischen Katzen soviel Wert habe, wie drei Fuchsfelle. Aus den Katzenfellen wurden Muffs und Mützen hergestellt. Das legt die Vermutung nahe, dass es sich um langhaarige Felle gehandelt haben könnte, die besonders warm hielten. Mitte des 14. Jahrhundert gab es in ganz Europa, auch in Skandinavien, eine große Pestepidemie. Ganze Landstriche wurden entvölkert. Wenn die Bauern starben, blieben die Haustiere sich selbst überlassen. Das Vieh in den Ställen starb vermutlich und die Katzen machten sich in die Wälder auf. Als sie dann später wieder domestiziert wurden, nannte man sie wahrscheinlich deshalb Waldkatzen, weil sie wild im Wald lebten.

Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts reisten die norwegischen Entspechungen unserer Gebrüder Grimm, Peter Christen Asbjörnsen und Jörgen Moe, durch Norwegen und sammelten Märchen und Sagen. In diesen Geschichten wurden immer wieder Zauberkatzen oder Trollkatzen erwähnt. Zur gleichen Zeit wurde die Norwegische Waldkatze zur Jagd freigegeben, weil man sie für einen Schädling hielt, der Hasen und Moorhühner wildert. Aufgrund dieser Bejagung wurde die Norwegische Waldkatze bis Ende des 19. Jahrhunderts fast an den Rand der Ausrottung gebracht. Gleichzeitig wurden andere - kurzhaarige - Katzen nach Norwegen importiert. Diese Katzen vermischten sich mit den langhaarigen Norwegern, und da das Kurzhaarfell dominant über das Langhaarfell ist, wurden die reinrassigen Norwegischen Waldkatzen weiter dezimiert.

Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es Katzenliebhaber, denen es auffiel, dass die norwegische Nationalkatze zu verschwinden drohte. Darunter ist besonders Haldis Rohlff zu erwähnen. Man begann die Norweger zu züchten, indem man passende Tiere von den Bauernhöfen verwendete. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden sogar schon Norweger ausgestellt. Allerdings wurde damals nur die Fellqualität bewertet. Haldis Rohlff gründete 1934 den Verein für Katzenfreunde. 1938 wurde der Norske Rasekattklubben (NORAK) gegründet. Dort war Haldis Rohlff ebenfalls Vorsitzende.

Der zweite Weltkrieg warf dann das Zuchtprogramm wieder zurück, wie bei allen anderen Rassenkatzen auch. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Zuchtprogramm wieder aufgenommen und 1969 wurden dann zum ersten Mal wieder Norwegische Waldkatzen ausgestellt. 1972 wurde die Rassebeschreibung von den norwegischen Vereinen registriert. Ihr norwegischer Name lautet nun offiziell: Norsk Skogkatt. Anfang der 70er Jahre suchte man dann im ganzen Land nach weiteren Tieren, die zur Zucht eingesetzt werden konnten. Diese Tiere ohne Stammbaum nennt man Novizen. Else und Egil Nylund, die bereits Norwegische Waldkatzen hatten, bekamen mit, dass Zuchttiere gesucht wurden. Sie meldeten sich und Nylunds Kater zusammen mit der Katze von Edel Runaas, der im Zuchtausschuss war, bekamen den ersten Wurf, der die Stammbäume der heutigen Norwegischen Waldkatzen begründete. Nylunds Kater Truls (sie nannten dann ihre Cattery Pan’s, der Kater ist bekannt als Pan’s Truls) ist der erste Kater seiner Rasse mit vollem Zertifikatsstatus. Pan’s Truls (Jahrgang 1973) wurde mit Pippa Fröken Skogpus (Jahrgang 1972) verpaart. Sie bekamen einen Wurf im Jahr 1974. Die Kitten hießen Pjewiks Forest Troll und Pjewiks Forest Nisse. Truls wurde dann mit Pan’s Trulte verpaart. Der Wurf kam auch im Jahr 1974 zur Welt. Es handelte sich um Pan’s Silver, Pan’s Trussa und Pan’s Thinge-Ling. Diese eben genannten Katzen sind in jedem Norweger-Stammbaum die ersten namentlich erwähnten Katzen. Dazu kommen noch andere Katzen ohne Stammbaum. Diese Katzen nennt man Novizen (s.o.). Man hat aus diesen meist wild geborenen Novizen die Rasse Norwegische Waldkatze gezüchtet. 1977 wurde die Rasse Norwegische Waldkatze in Paris vom Dachverband FIFé anerkannt. Zu dieser Zeit gab es ca. 150 registrierte Norwegische Waldkatzen. 1987 schloss der schwedische Verband SVERAK die Novizenklasse, der norwegische Verband NRR folgte 1990. Seither dürfen für die Zucht nur noch Tiere mit Stammbaum verwendet werden.

In den 70er Jahren wurden Norwegische Waldkatzen verbotenerweise außer Landes geschmuggelt. Offiziell durften Norwegische Waldkatzen erst ab 1978 in F4-Generationen ausgeführt werden. Ab 1982 durften auch F2-Generationen das Land verlassen. Damals war der Bestand der registrierten Tiere auf ca. 600 angewachsen. Seit Ende der 70er Jahre gibt es die Norwegischen Waldkatzen auch in Deutschland und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Immer wieder tauchten in den Würfen Kitten mit einer besonderen Farbe auf. Die Kitten waren zunächst schwarz und wurden dann im Laufe der Zeit immer heller. Die Farbe hat einen rötlichen Ton und wird Amber genannt, weil sie wohl an die Farbe von Bernstein erinnern soll. Die Farbe Amber wird durch das Ambergen verursacht, das durch eine Mutation entstanden ist. Es wirkt auf das Gen für die Farbe Schwarz ein und verwandelt das Schwarz in Amber. Diese Farbe ist nicht neu, obwohl viele das immer behaupten. Sie war wohl schon immer da, selten zwar, aber vorhanden. Sie wurde nicht gezielt gezüchtet, weil sie nicht anerkannt war. Viele Amber-Katzen weisen eine nahe Verwandschaft mit den oben genannten Pan’s-Tieren auf. Die Farbe muss also schon in ihnen vorhanden gewesen sein. Im Rassestandard steht seit 1994, dass alle Faben außer Point, Chocolate, Lilac, Cinnamon und Fawn erlaubt seien. 1992 wurden die ersten Amber-Kätzchen bei einem schwedischen Züchter geboren. Die Eltern waren blue-tabby und black-tabby. Es konnten also keine roten oder torbie Katzen aus diesem Wurf entstehen. Die orientalischen Farben konnten auch ausgeschlossen werden, da keine eingekreuzt werden durften. 1994 und 1997 wurden auch in Deutschland Kitten mit dieser seltsamen Farbe geboren. Diese Farbe wurde 2004 von der FIFé anerkannt. Seit 2005 besitzen Amber-Katzen auch Champion-Status. Die Farbe Amber gibt es auch mit Dilution, also Verdünnung (genannt Light-Amber). Es wurde 2008 von Dr. vet. Marc Peterschmitt nachgewiesen, dass es sich um einen rassespezifischen Farbschlag der Norwegischen Waldkatze handelt und nicht durch Einkreuzung von anderen Rassen entstanden ist.

Norwegische Waldkatzen

von Ramenstein

rks_Logo_300
FIFE_3d_rot_weiss

 

Banner Ramenstein